Hannes, der Fahrradkurier

Ein Fahrradkurier mit der Mission einer lebenswerteren Stadt

„Hannes, der Fahrradkurier – so nennen mich meine Freunde.“ Hannes ist 34 und hauptberuflich selbstständiger Fahrradkurier für den Kurierdienst Tretwerk in Hannover-Nordstadt. Der gelernte Gärtner hat sein Hobby zum Beruf gemacht und verdient mit Fahrradfahren mittlerweile seit zehn Jahren seinen Lebensunterhalt.

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Als Fahrradfreund hat man viele Fahrradfreunde. Zudem gibt es eine große Kurierszene - hier kennt man sich. Alle anderen Freunde und Bekannte versucht Hannes ständig dazu zu motivieren öfter aufs Rad zu steigen. „Ich kriege vom Fahrradfahren einfach nicht genug“, schwärmt er. Erst kürzlich lernte seine vierjährige Tochter Radfahren. „Vielleicht tritt sie mal in meine Fußstapfen“, freut sich der stolze Papa.

„Manche finden es total verrückt, dass ich den ganzen Tag Fahrrad fahre und Sachen durch die Gegend transportiere“, lacht Hannes. Doch der Lindener weiß, was er leistet: „Ich bin stolz auf meinen Job.“ Auf die Frage, was sein Beitrag für mehr Lebensqualität hier in Hannover ist, antwortet er: „Als Fahrradkurier trage ich dazu bei, dass weniger Autos in der Stadt unterwegs sind - weniger Autos bedeuten weniger Lärm und Umweltbelastung.“ Es gebe noch viel zu viele Autokuriere in Hannover. „Wenn die alle auf Lastenfahrräder umsteigen würden, das wäre großartig“, findet der 34-Jährige.

Hannes fährt am liebsten überall dort, wo keine Autos sind.

Was er sich noch wünschen würde für den Verkehr in Hannover? Eine autofreie Stadt oder zumindest ein autofreier Cityring wäre großartig. „Unglaublich, was das an Hektik und Lärm einsparen würde“, erklärt er. Das ist ein recht großer Wunsch, daher darf es für den Anfang auch weniger sein: „Eine fahrradfreundlichere Stadt, breitere Radwege, weniger Baustellen.“ Ein besseres Miteinander zwischen allen Verkehrsteilnehmern wäre auch super. „Fahrradfahrer, Fußgänger und Autofahrer sollten mehr aufeinander Rücksicht nehmen“, schlägt Hannes vor.

Die steigende Anzahl an Polizeikontrollen nervt ihn kaum. „Ich habe gelernt, die Kontrollen bereits frühzeitig zu erkennen und dementsprechend zu umfahren.“ Ärgerlicher ist eher das Gerede über Verkehrsrowdys. „Rechtsabbieger übersehen einen ständig, Radstreifen werden zugeparkt und man wird häufig angehupt.“ Doch als Radfahrer gelte man schon beim Überfahren einer roten Ampel als Verkehrsrowdy. „Und wenn ich mit schlammbespritzten Beinen und regendurchnässt ein schickes Büro betrete, werde ich schief angeguckt“, beschreibt Hannes. Dabei ist es für ihn im Alltag unmöglich, an jeder Ampel anzuhalten und die Fahrt bei Regen durch die Eilenriede hinterlässt nun einmal Spuren. Klar, dass man als Fahrradkurier im Arbeitsalltag einen kühlen Kopf und Geduld braucht. „Man darf sich nicht von der Stadt und dem Verkehr stressen lassen. Viele Passanten sind aggressiv und schlecht gelaunt, das ist aber immer meine Motivation, noch freundlicher und besser drauf zu sein,“ begründet Hannes.

Je nachdem wie lang die Strecken sind, schafft Hannes bis zu 15 Kurierfahrten an einem Vormittag.
Hannes größter Traum ist es, einmal in New York als Fahrradkurier zu fahren.

Die Liste von Sachen, die einen als Fahrradkurier nerven, scheint unendlich. Gefährlich wirkt der Job auch, doch Hannes beruhigt: „Gefährlich ist der Job nur, wenn man ihn nicht beherrscht. Ich habe zehn Jahre Erfahrung und kann brenzlige Situationen gut einschätzen.“ Lediglich am Anfang sei er ein paar Mal gestürzt. Da hatte er sein Fahrrad noch nicht so unter Kontrolle. So oder so, Hannes würde seinen Job nicht gegen einen Alltag im Büro eintauschen. „Fahrradkurier zu sein ist mein Traumjob. Ich bin an der frischen Luft, habe Bewegung und gehe unglaublich gerne zur Arbeit.“ Das bedeute für ihn Lebensqualität und sei viel wichtiger als viel Geld zu verdienen und dabei unglücklich zu sein.

„Kurierfahrradfahrer von außerhalb finden Hannover klasse“, berichtet der 34-Jährige und gesteht: „Da ich so wahnsinnig schnell bin, ist mir oft alles im Weg. Doch die Eilenriede ist ein großer Pluspunkt hier in Hannover. Dort kann man viele Kilometer am Stück problemlos durchfahren.“ Seine Lieblingsstrecke führt jedoch über den Pastor-Jäckl-Weg. „Das ist ein langgezogener Radweg, der gut asphaltiert ist und sich von der Schulenburger Landstraße, über die Nordstadt und Vahrenwald, bis in die List zieht“, beschreibt Hannes. Ansonsten fährt er gerne überall dort, wo keine Autos sind. Als Fahrradkurier kann man Hannes bis nach Laatzen, Langenhagen oder auch Schulenburg schicken. Meistens transportiert er mit seinem Singlespeed Briefe, Schriftstücke und Aktenordner. Manchmal Blumen oder Bargeld. Einmal sogar einen Erdbeerjogurt und zehn Packungen Klopapier für eine ältere Dame. „Der wertvollste Transport waren kleine Goldbarren, die ich für eine Bank transportieren musste.“ Schwere Sendungen werden mit dem Lastenfahrrad befördert.

Der Kontakt zu seinen Kunden ist Hannes sehr wichtig. „Für manche Kunden fahre ich schon seit Jahren. Mit der Zeit lernt man sich kennen, quatscht über Hobbies, das Wetter, die Kinder und trinkt auch mal einen Kaffee.“

Neben einer autofreien Stadt ist es sein Traum einmal in New York als Fahrradkurier zu fahren.

Kurzinterview

Dein Lieblingsort hier in Hannover?
Eilenriede
In welchem Lokal triffst du dich mit Freunden?
Das Ladencafé in Linden
Was ist dein Lieblingsladen?
Nature`s Food – Veganshop auf der Limmerstraße
Welches Projekt gefällt dir?
PlatzProjekt
Welche Person verbindest du mit Hannover?
Jörg Liebers - Torwartlegende
Was fehlt in Hannover?
Breite Radwege, wie der Pastor-Jäckel-Weg
Was macht Hannover einzigartig?
Die Fahrradwege in der Eilenriede
Welches Event darf man nicht verpassen?
2er on Fire